Musik der 1960er Jahre

Musik der 1960er Jahre

Ein enzyklopädisches Panorama des Gründungsjahrzehnts — Beatles, Motown, Soul, Psychedelia und die große Chanson française

Einleitung

Die 1960er Jahre sind zweifellos das revolutionärste Jahrzehnt in der Geschichte der modernen Popularmusik. In nur zehn Jahren veränderte sich die Musik in ihrem Wesen, ihrer Funktion und ihrem Anspruch: Aus einer verhältnismäßig kodifizierten und genormten Unterhaltungsform wurde eine Gesamtkunst — ein Vehikel des politischen Engagements, ein Spiegel gesellschaftlicher Erschütterungen und eine Kraft des kulturellen Wandels, deren Echo noch sechs Jahrzehnte später spürbar ist. Nahezu alle Musikgenres, die heute die globale Szene beherrschen, haben ihre Wurzeln direkt in diesem außergewöhnlichen Jahrzehnt.

Es ist das Jahrzehnt der Beatles — die im Alleingang neu definieren, was Popularmusik sein, aussagen und bewirken kann. Es ist das Jahrzehnt von Bob Dylan, der den Song in Dichtung und die Akustikgitarre in eine politische Waffe verwandelt. Es ist das Jahrzehnt von Motown und der Soul Music, die dem schwarzen Amerika eine planetarische Stimme von unvergleichlicher Würde und Kraft verleihen. Es ist das Jahrzehnt von Jimi Hendrix, der die physischen Grenzen der E-Gitarre in niemals zuvor vorgestellte Territorien treibt. Und in Frankreich ist es das Jahrzehnt von Jacques Brel, Serge Gainsbourg und der Yéyé-Generation, die die Chanson française als eine der großen musikalischen Literaturen der Welt etabliert.

Historischer und kultureller Kontext

Die 1960er Jahre vollziehen sich vor dem Hintergrund einer Welt in tiefem Aufruhr. Der Kalte Krieg befindet sich auf seinem Höhepunkt zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, und die Kubakrise (1962) lässt einen unmittelbaren Atomkrieg befürchten. Der Vietnamkrieg, in den die USA ab 1965 massiv eingreifen, löst einen beispiellosen Widerstand unter der amerikanischen und westlichen Jugend aus, die in der Musik ihre mächtigste und universellste Ausdrucksform findet. Gleichzeitig verändert die Bürgerrechtsbewegung — angeführt von Martin Luther King Jr. bis zu seiner Ermordung 1968 — die amerikanische Gesellschaft in ihrem Kern und nährt eine Soul Music von beispielloser politischer und emotionaler Tiefe.

Die Ermordung von Präsident Kennedy (22. November 1963) erschüttert das Vertrauen einer ganzen Generation in ihre Institutionen. Rassenunruhen, die Explosion der Hippie-Bewegung und die sexuelle Revolution beschleunigen eine radikale Infragestellung der Traditionswerte. In dieser Atmosphäre des vermengten Aufbegehrens und der Hoffnung gewinnt die Musik der 1960er ihre volle Bedeutung: Sie ist zugleich das Symptom und das Heilmittel, der Ausdruck der Unordnung und das Versprechen einer neuen Welt.

„The times they are a-changin’.” — Bob Dylan, 1964. Worte, die eine ganze Epoche zusammenfassen und die die New York Times fünfzig Jahre später als die prophetischsten Verse des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnen sollte.

Auf technologischer Ebene sieht das Jahrzehnt die Durchsetzung der Stereo-LP, die das Album in ein autonomes Kunstobjekt verwandelt, und den Aufstieg der E-Gitarre als zentrales Instrument der weltweiten Popularmusik. Die Erfindung der Mehrspur-Bandmaschine durch die Ingenieure der Studios Abbey Road, Columbia und Stax ermöglicht Produzenten und Künstlern die Erkundung völlig neuer Klangmöglichkeiten und begründet eine Ära, in der die Musikproduktion selbst zur Kreativkunst wird.

Die Beatlemania und die British Invasion

Kein Musikereignis des zwanzigsten Jahrhunderts hatte eine so plötzliche, so massive und so dauerhafte Wirkung wie die Ankunft der Beatles in den Vereinigten Staaten im Februar 1964. Ihr Auftritt in der Sendung The Ed Sullivan Show wurde von 73 Millionen amerikanischen Zuschauern verfolgt — mehr als 40 % der Bevölkerung des Landes. Innerhalb weniger Wochen belegt das Liverpooler Quartett — John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr — gleichzeitig die fünf ersten Plätze des Billboard Hot 100, ein absoluter Rekord, der seither nie wieder erreicht worden ist. Die Beatlemania war geboren — ein Phänomen kollektiver Hysterie, das alle großen Fan-Kultur-Ereignisse der folgenden Jahrzehnte vorwegnimmt.

Doch die Bedeutung der Beatles übertrifft ihren kommerziellen Erfolg bei weitem. In sieben Jahren offizieller Existenz (1962–1970) entwickelte sich die Gruppe von einem eingängigen und überschwänglichen Beat-Pop — She Loves You, I Want to Hold Your Hand — zu einer künstlerischen Verfeinerung ohne Präzedenz in der Popularmusik. Das Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967), das häufig als das größte Rockalbum der Geschichte bezeichnet wird, stellt den Höhepunkt dieser Entwicklung dar: Als konzeptuelles Werk mit totaler kreativer Freiheit im Studio aufgenommen, läutet es eine neue Ära für das Album als eigenständige Kunstform ein. Revolver (1966) und Abbey Road (1969) vervollständigen diesen Olymp mit einer absolut einzigartigen Kohärenz und Reichtum.

Im Fahrwasser der Beatles fegt die British Invasion über Amerika und die gesamte Welt hinweg: die Rolling Stones, das gefährliche und sexuell provozierende Alter Ego der Fab Four, The Who, The Kinks, The Animals, The Dave Clark Five und Dusty Springfield bilden eine britische Generation, die die weltweiten Charts das gesamte Jahrzehnt über beherrscht und die Ästhetik des weltweiten Rocks dauerhaft umformt.

🎸 Die Rolling Stones und die dunkle Seite des Rock

1962 in London von Mick Jagger, Keith Richards und Brian Jones gegründet, bieten die Rolling Stones eine rauere, bluesigere und bedrohlichere Alternative zum lächelnden Glamour der Beatles. Ihr Repertoire der 1960er — von Satisfaction (1965), der Hymne der jugendlichen Frustration, bis zu Sympathy for the Devil (1968), einer Rockreflexion über die Geschichte des Bösen — zeichnet das Gesicht eines erwachsenen, existenziellen und moralisch ambivalenten Rocks, den die folgenden Jahrzehnte nicht aufhören sollten zu erkunden.

Motown, Soul und das schwarze Amerika

Das 1959 in Detroit von Berry Gordy gegründete Label Motown Records stellt eines der außergewöhnlichsten unternehmerischen und künstlerischen Abenteuer in der amerikanischen Musikgeschichte dar. Seine Formel — unwiderstehliche Pop-Melodien, getragen von Stimmen von außergewöhnlicher Kraft und Anmut, raffinierte Orchesterarrangements und eine bis ins kleinste Detail durchdachte Produktion — erlaubt es der schwarzen amerikanischen Musik, ein konservatives weißes Publikum in einem noch tief gespaltenen Amerika zu erobern. Gordy selbst theoretisierte diese Strategie: Musik für jeden Amerikaner zu schaffen.

Das Motown-Katalog der 1960er ist schlicht und ergreifend atemberaubend. Stevie Wonder, ein blindes Wunderkind, das 1962 mit zwölf Jahren entdeckt wurde, Marvin Gaye mit seiner unvergleichlichen stimmlichen Sinnlichkeit, die Temptations mit ihrer fünfstimmigen Vokalharmonie, die Supremes unter der Führung der unwiderstehlich charismatischen Diana Ross, The Four Tops und Martha and the Vandellas bilden eine Galaxie von Künstlern von einem Reichtum, der in der Geschichte eines einzigen Labels seinesgleichen sucht.

Parallel zu Motown blüht die Soul Music in Memphis, Tennessee, rund um das Label Stax Records und seine Leitfiguren auf: Otis Redding, dessen raue und zerreißende Stimme den Soul in seiner ganzen brennenden Wahrheit verkörpert, Sam and Dave und Wilson Pickett. In New York etabliert sich Aretha Franklin — die „Königin des Soul”, 1967 mit Respect und Chain of Fools dem breiten Publikum enthüllt — als die größte Stimme ihrer Generation und die musikalische Verkörperung der Bürgerrechtsbewegung.

Das Folk Revival und Bob Dylan

Die 1960er sehen die Entfaltung einer mächtigen Folk-Revival-Bewegung in den Vereinigten Staaten, die in der Tradition des amerikanischen Protestliedes verwurzelt und von den sozialen und politischen Spannungen des Jahrzehnts genährt wird. Das New Yorker Viertel Greenwich Village ist ihr Epizentrum: In Cafés und kleinen Clubs erfindet eine Generation junger Liedermacher das Akustiklied als Instrument des sozialen Protests neu.

Bob Dylan setzt sich schnell als die unbestrittene Zentralfigur dieser Bewegung durch. Bereits auf seinem zweiten Album, The Freewheelin’ Bob Dylan (1963), demonstriert er eine lyrische Schreibfähigkeit, die in der Popularmusik völlig beispiellos ist: Blowin’ in the Wind wird zur Hymne der weltweiten Friedensbewegung, und The Times They Are a-Changin’ zum Kampfruf des sozialen Protests. 1965 löst seine spektakuläre Konversion zur E-Gitarre — symbolisiert durch seinen umstrittenen Auftritt beim Newport Folk Festival — eine leidenschaftliche Debatte über das Wesen und die Mission der Protestmusik aus, öffnet aber gleichzeitig die Tür zum Folk Rock und einer totalen künstlerischen Freiheit, die seine Alben Bringing It All Back Home, Highway 61 Revisited und Blonde on Blonde (alle drei zwischen 1965 und 1966 veröffentlicht) mit beispielloser Kühnheit erkunden werden.

Im Fahrwasser Dylans definieren Joan Baez, Simon and Garfunkel und The Mamas and the Papas die Konturen eines zugänglichen und melodischen Folk-Pop, der ein beträchtliches Publikum weit über aktivistische Kreise hinaus erreicht.

Psychedelic Rock und Gegenkultur

Ab 1966–1967 vollzieht der Rock unter dem kombinierten Einfluss psychedelischer Drogen — allen voran LSD — und einer beispiellosen intellektuellen und spirituellen Aufbruchsstimmung eine tiefgreifende Mutation hin zu einem Psychedelic Rock, der sich durch experimentelle Klänge, traumhafte Texte und ausgedehnte Musikstrukturen auszeichnet und die Beschränkungen des Radioformats bewusst hinter sich lässt.

Die amerikanische Westküste ist sein Epizentrum: San Francisco wird zur Hauptstadt der globalen Gegenkultur, und das Haight-Ashbury-Viertel zu ihrem pulsierenden Herzen. The Grateful Dead, Jefferson Airplane, Janis Joplin und Big Brother and the Holding Company verkörpern dieses neue Ideal totaler Freiheit — musikalisch, sexuell und spirituell. Ihre Ereigniskonzerte, die von Ken Kesey und seinen Merry Pranksters organisierten Acid Tests, begründen eine Live-Spektakelkultur, die direkt die großen Rocktourneen der folgenden Jahrzehnte vorwegnimmt.

In London nimmt die psychedelische Bewegung andere Formen an: Pink Floyd, gelenkt vom Genie und der Zerbrechlichkeit von Syd Barrett, eröffnet mit seinen ersten Kompositionen eine Klangerkundung, die den Progressive Rock der 1970er vorwegnimmt. The Doors, belebt durch die dunkle Dichtung und die magnetische Bühnenpräsenz von Jim Morrison, verschmelzen surrealistische Einflüsse, elektrischen Blues und barocke Theatralik zu einem ebenso faszinierenden wie gefährlichen Cocktail.

Die überragende und absolute Leitfigur dieser Periode bleibt Jimi Hendrix: ein begnadeter Gitarrist von unvergleichlicher Virtuosität und Erfindungsgabe, der die physischen und expressiven Grenzen der E-Gitarre in Territorien treibt, die sich niemand je hatte vorstellen können. Seine Interpretation der The Star-Spangled Banner bei Woodstock (August 1969) — ein wahres Klanggedicht über das Amerika im Krieg — bleibt einer der mächtigsten Momente in der gesamten Geschichte der Popularmusik.

🏄 Surf Rock und das sonnige Kalifornien

Als Gegenpol zum dunklen Existenzialismus des Protestrock entwickeln die Beach Boys in Kalifornien einen sonnigen und harmonischen Surf Rock, der Jugend, Strand und Unbeschwertheit feiert. Doch ihr Produzent und Komponist Brian Wilson führt die Gruppe schrittweise zu weitaus ambitionierteren künstlerischen Zielen: Das Album Pet Sounds (1966), ein Meisterwerk orchestraler Texturen und verhaltener Melancholie, beeinflusst die Beatles direkt bei der Konzeption von Sgt. Pepper’s und nimmt die Raffinesse des Pops der folgenden Jahrzehnte vorweg.

Die Chanson française und die Yéyé-Bewegung

Die 1960er stellen für die Chanson française eine absolute Glanzzeit dar, die von gegensätzlichen, aber gleichermaßen faszinierenden ästhetischen und generationellen Strömungen durchzogen wird. Auf der einen Seite erreicht die grande chanson — die von Jacques Brel, Georges Brassens, Léo Ferré und Barbara — in den 1960ern ihre Höhepunkte literarischer Strenge und dramatischer Interpretation; auf der anderen Seite bemächtigt sich eine Generation junger Künstler — die Yéyés — der Energie des angelsächsischen Rocks und verleiht ihm eine entschieden französische Note.

Jacques Brel veröffentlicht in den 1960ern seine herzzerreißendsten Werke: Ne me quitte pas, Amsterdam, Les Bourgeois, La Chanson des vieux amants. Seine Baritonstimme, zugleich sanft und explosiv, sein unvergleichlicher dramatischer Instinkt und sein dichterisches Genie machen ihn zu einem der größten Liedermacher der französischen Sprache. Georges Brassens hingegen verkörpert eine anarchistische, libertäre und zutiefst humanistische Chanson von formaler Meisterschaft und einem Witz, der häufig hinter scheinbarer Schlichtheit verborgen ist.

Die Yéyé-Bewegung — deren Name direkt von den „yeah yeah yeah” der Beatles inspiriert ist — findet ihren Ausdruck in Künstlern wie Johnny Hallyday, Frankreichs erstem Rocker von echter internationaler Statur, Sylvie Vartan, Françoise Hardy — deren Melancholie und dichterische Sensibilität ihr weit über die französischen Grenzen hinaus internationalen Ruhm einbringen — und France Gall, die durch das Duo Serge Gainsbourg/Michel Berger bekannt gemacht wird.

Serge Gainsbourg stellt einen absolut einzigartigen Fall in der französischen Musiklandschaft der 1960er dar: ein Liedermacher von berechneter Sophistiziertheit und Provokation, der das Jahrzehnt durchquert und dabei ständig die Grenzen des Sagbaren und Denkbaren auslotet und damit um ein volles Jahrzehnt die Kühnheiten vorwegnimmt, die sich die internationale Popmusik erst im folgenden Jahrzehnt zu wagen getrauen sollte.

Der Jazz und seine Wandlungen

Für den Jazz sind die 1960er eine Zeit tiefgreifender Veränderungen und kreativer Fragmentierung. Der Hard Bop der 1950er — der von Miles Davis, John Coltrane und Bill Evans — hatte den Jazz bereits in Richtung einer harmonischen und melodischen Verfeinerung geführt, die einen Teil seines traditionellen Publikums zu befremden begann. Die 1960er treiben diese Entwicklung an ihre äußersten Grenzen mit dem Aufkommen des Free Jazz, der tonale, rhythmische und formale Einschränkungen zugunsten totaler Improvisation aufhebt.

Ornette Coleman, mit seinem Gründungsalbum The Shape of Jazz to Come (1959, mit anhaltendem Einfluss in den 60ern), und John Coltrane, dessen Hauptwerk A Love Supreme (1965) zugleich den Gipfel der Jazzkomposition und eine absolut einzigartige spirituelle Suche darstellt, verkörpern zwei komplementäre Gesichter dieser Revolution. Miles Davis, die unaufhörlich innovative Zentralfigur der Epoche, vollzieht bereits am Ende des Jahrzehnts die Wende in Richtung Jazz-Rock, die in den 1970ern mit dem Album Bitches Brew (1970) voll ausbrechen wird.

Künstler und ikonische Persönlichkeiten

Das Jahrzehnt enthüllte oder krönte Künstler, deren Nachwirkung in der Geschichte der Popularmusik schlechthin unvergleichlich ist:

  • The Beatles — die einflussreichste Gruppe der Geschichte, Architekten des modernen Pop und Art Rock.
  • Bob Dylan — Poet des amerikanischen Liedes, Literaturnobelpreisträger 2016, Gewissen des weltweiten Folk.
  • The Rolling Stones — die Enfants terribles des Rock, noch sechs Jahrzehnte nach ihrer Gründung aktiv.
  • Aretha Franklin — die Königin des Soul, eine Stimme ohnegleichen, Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.
  • Jimi Hendrix — der größte E-Gitarrist der Geschichte, Visionär und sonischer Meteor.
  • Stevie Wonder — mit 12 Jahren bei Motown entdecktes Wunderkind, ein Genie in ewiger Entwicklung.
  • James Brown — der Godfather of Funk and Soul, eine der intensivsten Bühnenpräsenzen der Geschichte.
  • Otis Redding — die zerreißende Stimme des Southern Soul, 1967 mit 26 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.
  • Janis Joplin — die Hohepriesterin des kalifornischen Blues-Rock, mit brennender Authentizität und außergewöhnlicher Stimmgewalt.
  • Jacques Brel — der größte Poet der Chanson française des zwanzigsten Jahrhunderts, Dramatiker der Emotionen.
  • Serge Gainsbourg — genialer Provokateur, vollständiger Komponist, einzigartige und unersetzliche Figur der französischen Kultur.
  • The Beach Boys / Brian Wilson — Erfinder des California Sound und des raffinierten Orchesterpops.

Weltmusik in den 1960er Jahren

Die 1960er sind Schauplatz einer außergewöhnlichen globalen Zirkulation musikalischer Einflüsse. Der jamaikanische Reggae, dem Ska und Rocksteady vorausgegangen waren, wird offiziell um 1968 geboren und trägt den synkopierten Rhythmus der Inseln zu einem Weltpublikum, das ein Jahrzehnt später mit Bob Marley endgültig gewonnen werden sollte. In Brasilien erlebt die Bossa Nova — Ende der 1950er mit João Gilberto und Antônio Carlos Jobim entstanden — ihre internationale Expansion: Garota de Ipanema, 1963 mit der Stimme von Astrud Gilberto aufgenommen, wird zum bekanntesten brasilianischen Song der Welt und einem der meistgecorverten aller Zeiten.

In Westafrika gehen die nationalen Unabhängigkeiten — die sich von 1960 bis 1965 für die meisten Länder des Kontinents in rascher Folge vollziehen — mit einem gewaltigen musikalischen Aufschwung einher. Die kongolesische Rumba von Franco Luambo und seinem TPOK Jazz-Orchester, der ghanaische Highlife und die nigerianische Jùjú Music erblühen im Stolz der neu befreiten Nationen. In Algerien erleben Chaâbi und andalusische Musik eine durch die Unabhängigkeit von 1962 beflügelte Wiedergeburt.

Die indische Musik — und insbesondere das Sitar von Ravi Shankar — übt einen wachsenden Einfluss auf westliche Musiker aus: George Harrison von den Beatles beginnt 1965 mit dem Sitar-Studium und führt mit Norwegian Wood (1965) indische Ragas in den weltweiten Pop ein, was eine anhaltende Faszination für die Spiritualität und Musik Südasiens eröffnet.

Vom Summer of Love bis Woodstock

Der Sommer 1967 — getauft auf den Namen Summer of Love — markiert den Höhepunkt der Hippiebewegung. In San Francisco strömen Zehntausende junger Menschen in das Haight-Ashbury-Viertel und tragen eine Botschaft des Friedens, der Liebe und der Freiheit, die um die Welt hallt. Das Monterey Pop Festival (Juni 1967) ist ihr vollendetstes musikalisches Ausdrucksmittel und enthüllt Jimi Hendrix, Janis Joplin und The Who einem weltweiten Publikum zum ersten Mal.

Zwei Jahre später, vom 15. bis 18. August 1969, versammelt das Woodstock-Festival auf einer Farm im Bundesstaat New York mehr als 400.000 Menschen rund um ein außergewöhnliches Musikprogramm: Jimi Hendrix, Janis Joplin, The Who, Jefferson Airplane, Creedence Clearwater Revival, Joan Baez, Santana, Country Joe and the Fish und Dutzende weitere Künstler nehmen teil an dem, was im kollektiven Weltgedächtnis das absolute Symbol einer Generation bleibt, die einige Tage und Nächte lang glaubte, die Welt allein durch die Kraft der Musik verändern zu können.

Das Ende des Jahrzehnts sieht auch die fortschreitende Auflösung des Hippietraums: die Überdosis von Brian Jones von den Rolling Stones (Juli 1969), die Morde auf der Manson-Ranch (August 1969) und das Desaster des Altamont-Festivals (Dezember 1969 — bei dem ein Zuschauer vor der Bühne während des Rolling-Stones-Konzerts getötet wird) signalisieren das Ende einer Utopie und den Eintritt in ein dunkleres und desillusioniertes Jahrzehnt.

Vermächtnis und bleibender Einfluss

Das Vermächtnis der 1960er ist schlicht und ergreifend das Fundament, auf dem die gesamte weltweite Popularmusik der folgenden sechzig Jahre aufgebaut worden ist. Rock, Pop, Soul, Funk, Folk, Jazz-Rock, Weltmusik — all diese Genres haben ihre Wurzeln direkt in den Experimenten und Revolutionen dieses außergewöhnlichen Jahrzehnts. Die Alben der Beatles verkaufen sich noch immer jedes Jahr millionenfach, sechs Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung. Bob Dylan, 2016 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, gilt als der größte Poet des weltweiten Popularliedes.

Die 1960er legten auch das Fundament für eine Konzeption von Musik als totalem Engagement — künstlerisch, politisch, spirituell und menschlich. Die Idee, dass Musik die Welt verändern kann, dass sie mehr als Unterhaltung sein kann, dass sie das kollektive Gewissen einer Generation ansprechen kann: Dies ist ein Erbe, das Marvin Gaye in den 1970ern fortgeführt, das Bob Marley auf Jamaika getragen, das Public Enemy in den 1980ern und 90ern übertragen hat und das Kendrick Lamar noch heute verkörpert.

Schließlich bilden die Songs der 1960er vielleicht das universellste Karaoke-Repertoire, das es gibt: Ganze Generationen in allen Ländern der Welt kennen die Texte von Hey Jude, Let It Be, Respect, Mr. Tambourine Man oder La Bamba auswendig. Dieses lebendige und unzerstörbare Erbe ist das schönste Zeugnis dafür, was ein einziges Musikjahrzehnt der gesamten Menschheit hinterlassen kann.

🇫🇷 Top 50 — Beliebteste Songs der 1960er in Frankreich

Ranking erstellt auf der Grundlage von Schallplattenverkäufen in Frankreich, Radio-Airplay (RTL, Europe 1, France Inter), zeitgenössischen Charts und bleibendem kulturellen Einfluss auf das französische Publikum.

# Titel Künstler Jahr Genre
1 Ne me quitte pas Jacques Brel 1959 / anhaltender Erfolg in den 60ern Chanson française
2 Amsterdam Jacques Brel 1964 Chanson française
3 La Chanson des vieux amants Jacques Brel 1967 Chanson française
4 Les Bourgeois Jacques Brel 1962 Chanson française
5 Que je t’aime Johnny Hallyday 1969 Rock / Französischer Pop
6 L’Idole des jeunes Johnny Hallyday 1962 Rock / Yéyé
7 Retiens la nuit Johnny Hallyday 1963 Yéyé / Französischer Pop
8 La Bande à Bonnot Serge Gainsbourg 1966 Pop / Chanson française
9 Poupée de cire, poupée de son France Gall 1965 Yéyé (Eurovision 1965)
10 Laisse tomber les filles France Gall 1964 Yéyé / Französischer Pop
11 Tous les garçons et les filles Françoise Hardy 1962 Yéyé / Französischer Pop
12 Le Temps de l’amour Françoise Hardy 1962 Yéyé / Französischer Pop
13 Mon amie la rose Françoise Hardy 1964 Französischer Pop / Folk
14 La Nuit Sylvie Vartan 1966 Yéyé / Französischer Pop
15 Comme un garçon Sylvie Vartan 1967 Yéyé / Französischer Pop
16 La Bicyclette Yves Montand 1968 Chanson française
17 Avec le temps Léo Ferré 1970 / Wurzeln in den 60ern Chanson française
18 Nantes Barbara 1964 Chanson française
19 L’Aigle noir Barbara 1970 / Wurzeln in den 60ern Chanson française
20 Les Copains d’abord Georges Brassens 1964 Chanson française
21 La Mauvaise Réputation Georges Brassens 1952 / anhaltender Erfolg in den 60ern Chanson française
22 Embrasse-moi Claude François 1966 Yéyé / Französischer Pop
23 Belles, belles, belles Claude François 1962 Yéyé / Französischer Pop
24 Señorita Justin Timberlake (musikalische Referenz 60er) — (musikalische Referenz)
24 Et moi, et moi, et moi Jacques Dutronc 1966 Yéyé / Französischer Pop
25 Les Play-boys Jacques Dutronc 1966 Yéyé / Französischer Pop
26 Il est cinq heures, Paris s’éveille Jacques Dutronc 1968 Französischer Pop
27 Michelle The Beatles 1966 Pop / Britischer Beat
28 She Loves You The Beatles 1963 Pop / Britischer Beat
29 Hey Jude The Beatles 1968 Pop / Rock
30 Let It Be The Beatles 1970 / Aufn. 1969 Pop / Rock
31 Satisfaction (I Can’t Get No) Rolling Stones 1965 Rock
32 Paint It Black Rolling Stones 1966 Rock / Psychedelic
33 Mrs. Robinson Simon & Garfunkel 1968 Folk / Pop
34 The Sound of Silence Simon & Garfunkel 1965 Folk / Pop
35 Blowin’ in the Wind Bob Dylan 1963 Folk / Protestsong
36 Like a Rolling Stone Bob Dylan 1965 Folk Rock
37 Purple Haze Jimi Hendrix Experience 1967 Psychedelic / Rock
38 Respect Aretha Franklin 1967 Soul / R&B
39 My Girl The Temptations 1965 Soul / Motown
40 Reach Out I’ll Be There The Four Tops 1966 Soul / Motown
41 Je t’aime… moi non plus Serge Gainsbourg & Jane Birkin 1969 Französischer Pop / Chanson
42 Mamy Blue Nicoletta 1971 / Wurzeln in den 60ern Französischer Pop
43 J’entends siffler le train Richard Anthony 1962 Yéyé / Französischer Pop
44 La Fille de Peynet Antoine 1966 Pop / Chanson française
45 Les Élucubrations Antoine 1966 Französischer Pop / Rock
46 Good Vibrations The Beach Boys 1966 Pop / Psychedelic
47 California Dreamin’ The Mamas and the Papas 1966 Folk / Pop
48 Light My Fire The Doors 1967 Psychedelic / Rock
49 Summertime Blues Eddie Cochran (Coverversion The Who) 1968 Rock
50 Knock on Wood Eddie Floyd 1966 Soul / R&B

🎵 Top 50 — Beliebteste Songs der 1960er weltweit

Ranking erstellt auf der Grundlage weltweiter Schallplattenverkäufe, internationaler Radio-Airplay-Daten, RIAA-Zertifizierungen und bleibenden kulturellen Einflusses auf mehrere Generationen.

# Titel Künstler Jahr Genre
1 Hey Jude 🏆 Legendär The Beatles 1968 Pop / Rock
2 Like a Rolling Stone Bob Dylan 1965 Folk Rock
3 Respect Aretha Franklin 1967 Soul / R&B
4 Satisfaction (I Can’t Get No) Rolling Stones 1965 Rock
5 Good Vibrations The Beach Boys 1966 Pop / Psychedelic
6 She Loves You The Beatles 1963 Pop / Beat
7 In My Life The Beatles 1965 Pop / Rock
8 A Day in the Life The Beatles 1967 Pop / Art Rock
9 Blowin’ in the Wind Bob Dylan 1963 Folk / Protestsong
10 Purple Haze Jimi Hendrix Experience 1967 Psychedelic / Rock
11 My Girl The Temptations 1965 Soul / Motown
12 I Got You (I Feel Good) James Brown 1965 Funk / Soul
13 Johnny B. Goode Chuck Berry 1958 / anhaltender Erfolg in den 60ern Rock ‘n’ Roll
14 Light My Fire The Doors 1967 Psychedelic / Rock
15 The Sound of Silence Simon & Garfunkel 1965 Folk / Pop
16 Mrs. Robinson Simon & Garfunkel 1968 Folk / Pop
17 California Dreamin’ The Mamas and the Papas 1966 Folk / Pop
18 Be My Baby The Ronettes 1963 Pop / Girl Group
19 Waterloo Sunset The Kinks 1967 Pop / Britischer Rock
20 Paint It Black Rolling Stones 1966 Rock / Psychedelic
21 Help! The Beatles 1965 Pop / Rock
22 I Want to Hold Your Hand The Beatles 1963 Pop / Beat
23 Let It Be The Beatles 1970 / Aufn. 1969 Pop / Rock
24 Reach Out I’ll Be There The Four Tops 1966 Soul / Motown
25 Superstition Stevie Wonder (Wiederveröffentlichung) 1966 Debüt / anhaltender Erfolg Motown / Soul
26 Stop! In the Name of Love The Supremes 1965 Soul / Motown
27 I Heard It Through the Grapevine Marvin Gaye 1968 Soul / R&B
28 Dock of the Bay Otis Redding 1968 Soul
29 Try a Little Tenderness Otis Redding 1966 Soul
30 Suspicious Minds Elvis Presley 1969 Rock / Pop
31 Jailhouse Rock Elvis Presley 1957 / anhaltender Erfolg in den 60ern Rock ‘n’ Roll
32 House of the Rising Sun The Animals 1964 Folk Rock / Rhythm & Blues
33 White Room Cream 1968 Blues Rock / Psychedelic
34 Sunshine of Your Love Cream 1968 Blues Rock
35 Summertime Blues Eddie Cochran 1958 / Coverversion 60er Rock ‘n’ Roll
36 People Are Strange The Doors 1967 Psychedelic / Rock
37 San Francisco (Be Sure to Wear Flowers) Scott McKenzie 1967 Folk / Pop
38 For What It’s Worth Buffalo Springfield 1967 Folk Rock / Protestsong
39 Piece of My Heart Janis Joplin / Big Brother 1968 Blues Rock
40 Mr. Tambourine Man The Byrds / Bob Dylan 1965 Folk Rock
41 Norwegian Wood The Beatles 1965 Pop / Folk Rock / Raga
42 Yesterday The Beatles 1965 Pop / Ballade
43 Stand by Me Ben E. King 1961 / Erfolg in den 60ern Soul / R&B
44 La Bamba Ritchie Valens (anhaltender Erfolg in den 60ern) 1958 / 60er Rock / Ranchera
45 Tighten Up Archie Bell & the Drells 1968 Funk / Soul
46 Georgia on My Mind Ray Charles 1960 Soul / Jazz
47 Hit the Road Jack Ray Charles 1961 Soul / R&B
48 My Generation The Who 1965 Rock / Mod
49 Pinball Wizard The Who 1969 Rock / Rock-Oper
50 Sympathy for the Devil Rolling Stones 1968 Rock / Blues

🌍 Top 50 — Weltmusik der 1960er Jahre

Eine internationale Auswahl aus Lateinamerika, der Karibik, Afrika, Asien, dem nicht-englischsprachigen Europa und der lusophonen Welt — Zeugnis des außerordentlichen musikalischen Reichtums dieses Gründungsjahrzehnts auf dem gesamten Globus.

# Titel Künstler Land / Region Genre
1 Garota de Ipanema (The Girl from Ipanema) 🌍 Legendär João Gilberto & Astrud Gilberto Brasilien Bossa Nova
2 Chega de Saudade João Gilberto Brasilien Bossa Nova
3 Corcovado Antônio Carlos Jobim & Astrud Gilberto Brasilien Bossa Nova
4 Desafinado Stan Getz & João Gilberto Brasilien / USA Bossa Nova / Jazz
5 Guantanamera Joseíto Fernández / Pete Seeger (Popularisierung) Kuba / USA Kubanischer Son / Folk
6 Bésame Mucho Trio Los Panchos / The Beatles (Coverversion) Mexiko Bolero
7 La Bamba Ritchie Valens (Erfolg in den 60ern) Mexiko / USA Ranchera / Rock
8 Cucurrucucú Paloma Tomás Méndez / verschiedene Interpreten Mexiko Ranchera / Canción
9 El Condor Pasa Los Calchakis / Simon & Garfunkel Peru Andiner Folk
10 Ne me quitte pas Jacques Brel (weltweite Ausstrahlung) Belgien / Frankreich Chanson française
11 Amsterdam Jacques Brel Belgien / Frankreich Chanson française
12 Je t’aime… moi non plus Serge Gainsbourg & Jane Birkin Frankreich Französischer Pop
13 Poupée de cire, poupée de son France Gall Frankreich Yéyé (Eurovision 1965)
14 Non, je ne regrette rien Édith Piaf Frankreich Chanson française
15 Milord Édith Piaf Frankreich Chanson française
16 Azzurro Adriano Celentano Italien Canzone italiana
17 Nel Blu Dipinto di Blu (Volare) Domenico Modugno Italien Canzone italiana
18 O Sole Mio Enrico Caruso / Coverversionen 60er Italien Canzone napoletana
19 Ramona Rocío Dúrcal Spanien Copla / Spanischer Pop
20 La Paloma Verschiedene Künstler (Erfolg in den 60ern) Spanien / Kuba Hispanisches Lied
21 Kaval Sviri Bisera Veletanlić Jugoslawien Balkanischer Folk
22 Zorba’s Dance Mikis Theodorakis (OST Alexis Sorbas) Griechenland Filmmusik / Sirtaki
23 Never on Sunday Manos Hadjidakis / Melina Mercouri Griechenland Laïka / Filmmusik
24 Melodie d’Amour Henri Salvador Frankreich (Guadeloupe) Chanson française / Antillianisch
25 Siyahamba Zulu-Chöre (traditional) Südafrika Zulu-Gesang / Gospel
26 Pata Pata Miriam Makeba Südafrika Township / Weltmusik
27 Malaika Miriam Makeba Südafrika Weltmusik / Afrikanischer Folk
28 Jingo Babatunde Olatunji Nigeria Yoruba / Weltmusik
29 Indépendance Cha Cha Grand Kallé & l’African Jazz Kongo Kongolesische Rumba
30 Nakombela Franco & TPOK Jazz Kongo Kongolesische Rumba
31 Raga Bhairava Ravi Shankar Indien Nordindische klassische Musik
32 Morning Raga Ravi Shankar & George Harrison Indien / Großbritannien Raga / Weltmusik
33 Sukiyaki (Ue o Muite Arukō) Kyu Sakamoto Japan Japanischer Pop / Kayōkyoku
34 I’m Gonna Get Married Lloyd Price USA (weltweiter Einfluss) R&B / Rock ‘n’ Roll
35 Shanty Town Desmond Dekker Jamaika Ska
36 Israelites Desmond Dekker Jamaika Rocksteady / Früher Reggae
37 Do the Reggay Toots and the Maytals Jamaika Ska / Früher Reggae
38 My Boy Lollipop Millie Small Jamaika Ska Pop
39 Mas que Nada Sérgio Mendes & Brasil ’66 Brasilien Bossa Nova / Samba
40 Água de Beber Astrud Gilberto / Antônio Carlos Jobim Brasilien Bossa Nova
41 El Rey José Alfredo Jiménez Mexiko Ranchera
42 Oye Como Va Tito Puente USA / Puerto Rico Latin Jazz / Mambo
43 La Vie en rose Édith Piaf (weltweiter Erfolg in den 60ern) Frankreich Chanson française
44 Summertime Janis Joplin / Ella Fitzgerald (60er) USA Blues / Jazz / Soul
45 Feeling Good Nina Simone USA Soul / Jazz
46 Santiano Hugues Aufray (maritimer Folk) Frankreich Französischer Folk / Seemannslied
47 Quizás, Quizás, Quizás Nat King Cole / Doris Day Kuba / USA Bolero / Latin Pop
48 Quando, Quando, Quando Tony Renis Italien Canzone italiana / Pop
49 Afsoomaali Hibo Nuura Somalia Traditionelle somalische Musik
50 Mbube (Wimoweh) Solomon Linda / The Tokens Südafrika / USA Isicathamiya / Pop

🎬 Top 30 — Bedeutendste Auftritte und Musikfilme der 1960er Jahre

Wichtiger Hinweis: Das Musikvideo im modernen Sinne existiert in den 1960ern noch nicht. Dieses Format entsteht erst eigentlich in den 1970ern und wird erst mit der Gründung von MTV 1981 institutionalisiert. In den 1960ern nimmt die visuelle Musikausstrahlung andere Formen an: Fernsehauftritte in Sendungen wie The Ed Sullivan Show (USA), Top of the Pops (BBC), Âge tendre et tête de bois (Frankreich) oder Ready Steady Go! (ITV) sowie Musikfilme, Werbekurzfilme und gefilmte Konzerte stellen die Äquivalente der Epoche dar. Diese Tabelle listet die dreißig bedeutendsten und einflussreichsten audiovisuellen Momente des Jahrzehnts auf.

# Auftritt / Film / Titel Künstler Jahr Kontext und Bedeutung
1 The Ed Sullivan Show 🏆 Historisch The Beatles 9. Februar 1964 73 Millionen amerikanische Zuschauer — der meistgesehene Fernsehauftritt des zwanzigsten Jahrhunderts; offizieller Beginn der Beatlemania in den USA
2 Woodstock — Star-Spangled Banner Jimi Hendrix 18. August 1969 Eröffnungsauftritt in der Morgendämmerung vor 400.000 Menschen — einer der mächtigsten Momente in der gesamten Geschichte der Popularmusik
3 A Hard Day’s Night (Film) The Beatles 1964 Richard Lester — erster Autorenfilm des Rock im quasi-dokumentarischen Format; direkter Einfluss auf alle Musikvideos der folgenden Jahrzehnte
4 Pennebaker — Don’t Look Back (Film) Bob Dylan 1967 D.A. Pennebaker — kultiger Tourneefilm; die Eröffnungssequenz mit Lyrik-Karten nimmt das moderne Musikvideo direkt vorweg
5 Monterey Pop Festival (Film) Verschiedene Künstler (Joplin, Hendrix, The Who) 1967 D.A. Pennebaker — weltweite Enthüllung von Jimi Hendrix und Janis Joplin; erster großer Rockfestival-Film
6 Ready Steady Go! — Auftritt The Rolling Stones 1964–1966 ITV — die wöchentliche britische Sendung, die den Rolling Stones, The Who und der Londoner Mod-Szene als Erste europäische Jugendliche vorstellte
7 Newport Folk Festival — Der elektrische Eklat Bob Dylan 25. Juli 1965 Dylan schließt seine E-Gitarre an und wird von einem Teil des Folk-Publikums ausgebuht — ein Schlüsselmoment, der die Trennung zwischen traditionellem Folk und Rock markiert
8 Werbefilm für Paperback Writer / Rain The Beatles 1966 Michael Lindsay-Hogg — erster moderner Werbefilm, speziell für die Fernsehausstrahlung ohne physische Präsenz der Gruppe gedreht; direkter Vorläufer des Musikvideo-Formats
9 Werbefilm für Strawberry Fields Forever The Beatles 1967 Peter Goldman — rückwärts montierte Sequenzen, wegweisende Zeit- und Farbmanipulation; absolute Referenz des experimentellen Musikvideos
10 Werbefilm für Penny Lane The Beatles 1967 Peter Goldman — bei Top of the Pops und The Ed Sullivan Show anstelle eines Live-Auftritts ausgestrahlt; Weihe des gefilmten Werbeformats
11 The T.A.M.I. Show (Konzertfilm) James Brown & verschiedene Künstler 1964 Steve Binder — James Brown in einem legendären Auftritt, neben den Rolling Stones und Marvin Gaye; einzigartiges Dokument über Soul und Rock des Jahres 1964
12 Friedenskonzerte — Donovan, Joan Baez Verschiedene Folk-Künstler 1967–1968 Gefilmte Anti-Vietnamkrieg-Konzerte — Dokument des politischen Engagements einer ganzen Generation von Folk- und Rock-Künstlern
13 Âge tendre et Tête de bois — Johnny Hallyday Johnny Hallyday 1961–1968 Albert Raisner — die Gründungsjugendsendung der RTF/ORTF des französischen Yéyé; Auftritte von Johnny, Sylvie Vartan und France Gall vor Millionen von Zuschauern
14 Sacha Show — Jacques Brel Jacques Brel 1961, 1963, 1966 Legendäre Fernsehrezitals von Brel im Olympia und in TV-Studios — Aufnahmen, die das beste Archiv seiner unvergleichlichen Kunst bleiben
15 The Ed Sullivan Show — Elvis Presley Elvis Presley 1956 / Ausstrahlungen in den 60ern Zunächst zensierte Ausstrahlungen (Hüftaufwärts-Kamera); in den 60ern erneut ausgestrahlt, wurden sie zu Symbolen des kulturellen Kampfes um Körperfreiheit in der Musik
16 Woodstock (Dokumentarfilm) Verschiedene Künstler 1970 (Festival 1969) Michael Wadleigh — Oscar für den besten Dokumentarfilm 1970; unersetzliches Zeugnis der größten Musikzusammenkunft der Geschichte
17 Sanremo Festival — Volare Domenico Modugno 1958 / Erfolg in den 60ern Erste Fernsehübertragung des Sanremo Festivals an ein sehr breites Publikum; Geburt der modernen italienischen Schlagermusik
18 Sunday Night at the London Palladium The Beatles 1963 Auftritt der Beatles sechs Monate vor The Ed Sullivan Show — die Hysterie des britischen Frauenpublikums zum ersten Mal live gefilmt und ausgestrahlt
19 Live-Auftritt — Respect Aretha Franklin 1967 Mehrere amerikanische TV-Sendungen — Aretha Franklin singt Respect als Hymne der Bürgerrechtsbewegung; die Kameras fangen die kollektive Emotion ein
20 Film Help! (The Beatles) The Beatles 1965 Richard Lester — in Farbe gedrehte Musikkomödie, erstmaliger intensiver Einsatz von Playback in natürlichen Kulissen; nimmt moderne Outdoor-Musikvideos vorweg
21 Jazz on a Summer’s Day (Film) Louis Armstrong, Chuck Berry, Mahalia Jackson 1960 Bert Stern — Film des Newport Jazz Festivals 1958; absolute Referenz des Jazz-Konzertfilms, in den 60ern weltweit vertrieben
22 Jimi Hendrix Experience — Fernsehauftritte Jimi Hendrix 1967–1969 Sendungen Lulu Show (BBC), The Dick Cavett Show — seltene Aufnahmen eines Künstlers, der sich im Fernsehen nur selten zeigte; außergewöhnliche Dokumente
23 Rolling Stones Rock and Roll Circus (Film) Rolling Stones, John Lennon, The Who 1968 (veröffentlicht 1996) Michael Lindsay-Hogg — zu Lebzeiten der Gruppe nie ausgestrahlter Konzertfilm, Jahrzehnte später als verborgenes Meisterwerk des Jahrzehnts enthüllt
24 Olympia Paris 1964 Jacques Brel 1964 Aufnahme von Brels legendärem Konzert — Amsterdam, Les Bourgeois, Ne me quitte pas live; einer der größten Auftritte der Chanson française
25 Eurovision 1965 — Poupée de cire, poupée de son France Gall 1965 Frankreichs Sieg (als Vertreterin Luxemburgs) beim Eurovision; erster großer Erfolg von Serge Gainsbourg als Komponist auf europäischer Bühne
26 Shindig! — Motown Revue Supremes, Temptations, Marvin Gaye 1964–1966 ABC-TV USA — die Musiksendung, die dem amerikanischen Hauptabendprogramm schwarze Motown-Künstler öffnete; ein entscheidender kultureller Durchbruch
27 In Concert — The Doors The Doors 1967–1969 Mehrere Fernsehaufnahmen, darunter The Ed Sullivan Show (1967) und das Hollywood Bowl (1968) — Jim Morrison, die Kamera und der Auftritt als schamanisches Ritual
28 Festival de la Chanson Française — Barbara Barbara 1964–1969 Rezitals im L’Écluse und dann im Bobino — Aufnahmen, die Barbaras einzigartige Kunst bewahren, zwischen Klavier, Theater und intimem Bekenntnis
29 The Smothers Brothers Comedy Hour — Pete Seeger Pete Seeger 1967 CBS-TV — Pete Seeger singt ein Antikriegslied, das vom Sender live zensiert wird; nationaler Skandal und symbolischer Sieg der künstlerischen Ausdrucksfreiheit
30 Werbefilm für The Happening The Supremes 1967 Farbiger Werbefilm der Supremes — einer der ersten Werbefilme eines Motown-Künstlers, der in Fernsehrotation ausgestrahlt wurde; Vorläufer des R&B-Musikvideos